OFFENER AUFRUF 02

Offener Aufruf 02: LÄRM

„Lärm ist das Geräusch der anderen“ (Kurt Tucholsky)

LÄRM kommt von ‚außen‘, dringt in den Körper – den persönlichsten Bereich – ein, wirkt irri- tierend, störend, zerstörend; der Mensch kann die Ohren, im Gegensatz zu den Augen, nicht verschließen – der Körper ist dem Geräusch ausgesetzt. LÄRM ist negativ konnotiert – gesell- schaftliche und kulturelle Konventionen sehen in LÄRM ein Problem, dem entgegengearbeitet und das unter Kontrolle gebracht werden muss.
Doch liegt es einerseits in der persönlichen und subjektiven Bewertung, was als LÄRM empfun- den wird, und andererseits auch daran, ob man diese Klassifizierung im konventionellen Sinne als negativ beurteilt. Was passiert, wenn LÄRM angeeignet wird, wenn der Mensch sich von der passiven Rolle des Ausgesetztseins in eine aktive Rolle begibt?

„LÄRM“ bedeutet so viel wie „lautes Geräusch, großes Aufsehen“ und leitet sich etymologisch von „Alarm“ ab, das auf das italienische all’arme (‚zu den Waffen‘) zurückgeht und konkret ein Warnsignal bezeichnet. Alarm wird damit zu einem gerichteten Laut, während LÄRM unge- richtet und breit gestreut ist. Historisch ist es phasenweise auch mit ‚Aufsehen, Auflauf, Aufruhr‘ gleichbedeutend.1

Damit ist LÄRM nur vordergründig ein rein akustisches Problem. LÄRM ist ein Alltagsge- räusch, das auf Bewegung, Dynamik, Umbruch verweist und somit gleichermaßen störend wie notwendig und letztlich unvermeidbar ist. LÄRM kann mit Beunruhigung assoziiert werden: BauLÄRM etwa stört geregelte Alltagsabläufe, wie der LÄRM von Trillerpfeifen bei Demonstra- tionen auf die Sache der Demonstration aufmerksam macht. LÄRM ist Widerhall einer Präsenz, die sich lautstark artikuliert, die Aufbau, Umbruch und Zerstörung zugleich bedeutet; die aber vor allem eines nicht bedeutet – nämlich Stillstand. LÄRM in diesem Sinne ist Bewegung, ist das Echo von Bewegung, ist arhythmische Welle, Störung, Interferenz, Konfrontation. Folglich steht LÄRM in krassem Widerspruch zu gegenwärtigen glatt-harmonisch-melodiösen Weltbildern.

Für tortuga #2 LÄRM werden Beiträge gesucht, die sich dem Phänomen LÄRM annähern, es thematisieren oder konkret damit arbeiten. Die Beiträge können sich im Spannungsfeld verschie- dener Ausdrucksformen bewegen und werden nach redaktioneller Auswahl ihrer Form entspre- chend in der Print-Version von tortuga #2, auf der Homepage www.tortuga-zine.net bzw. in anderer Art und Weise präsentiert. Gesucht werden neben medialen Beiträgen auch Ideen & Konzepte für themenrelevante Veranstaltungen aller Art.

Richtlinien zur Abgabe:
Thema: LÄRM
Texte: max. 10.000 Zeichen, .odt, .doc, .pdf
Fotos, Zeichnungen, grafische Beiträge etc.: mind. 300 dpi, .pdf, .jpg, .png, .tiff (falls in Farbe, bitte auch als Schwarz-Weiß-Version)
Video: max. 20 Minuten, .mov, .mp4, h.264 Codec, max. 500 MB
Audio: max. 10 Minuten, .wav, .flac, .aiff
Deadline: 01. April 2014 nachträgliche Einsendungen sind willkommen.
Einsendungen an: redaktion@tortuga-zine.net

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1 s. „Lärm“, Eintrag in: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, München 2005 (8. Aufl.): dtv, S. 766 f.

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